Die Ballade von Jethro Tull
Titel: Was haben Grammy-Gewinner mit Kaltblütern zu tun?
Die Autobiographie ist großformatig und mit einem gepolsterten Hardcover umschlagen, hochwertig aufgemacht mit wertigem Papier und hochaufgelösten Fotos. Diese zeigen neben Live- und Bandfotos auch Selteneres wie Text- und Notationsentwürfe, Eintrittskarten, Werbeplakate oder Zeitungsartikel etc. Die Fotos werden jeweils mit diversen Hintergrundinformationen komentiert und machen ganz ohne Zweifel einen erheblichen Teil der Attraktivität dieser Veröffentlichung aus.
Die textlichen Inhalte bestehen aus Interviews der Bandmitglieder selbst, die Co-Autor Mark Blake koordiniert hat. Sie decken einen Zeitraum von über 50 Jahren Jethro Tull ab. Selbstverständlich nehmen die Anfangszeit und die Jahre bis zum Aufstieg in den Rock-Olymp den größten Umfang ein.
Die Interviewform ist eine sehr schöne Möglichkeit, die Autobiographie aller Mitglieder von Jethro Tull - und das waren über die Jahre sehr viele - als Bandgefüge darzustellen. Dabei kann man erfahren, dass aus einer Gruppe Freunde, die innerhalb der Band weitestgehend gleichwertige Mitglieder waren, durch diverse äußere und innere Einflüsse einen grundlegenden Wandel vollziehen musste. Daraus folgte, dass Ian Anderson der unumstrittene Boss der Truppe wurde - nicht nur musikalisch, sondern auch in finanziellen Dingen.
Ab den ersten Anfängen folgt die Autobiographie chronologisch den Veröffentlichungen von Jethro Tull mit vielen damit zusammenhängenden Ereignissen (Touren, Besetzungswechsel etc.). Immer wieder kommen auch private Dinge neben Jethro Tull zur Sprache. Dabei geht es dann um Landgüter, Firmen und auch Familiäres.
Hardcore-Fans von Jethro Tull mögen vielleicht bemängeln, dass gegenüber englischen Veröffentlichungen keine wesentlichen Neuigkeiten zu erfahren wären. Ich selbst hätte mir gewünscht, dass man eine Übersicht über alle interviewten Personen beigefügt hätte, um im Zweifel schnell mal nachschauen zu können. Aber alleine die Fotos, das absolut schlüssige Konzept und die hochwertige Aufmachung marginalisieren diese kleinen Kritikpunkte.
Eine sehr wohltuende Band-Bio, deren Anteil an Sex, Drugs and Scandal gering ist. Das Buch ist leicht zu lesen, schön bebildert, hochwertig aufgemacht und insgesamt eine Augenweide. In vielen Texten findet man auch den zutiefst schwarzen englischen Humor, der vielen Inselbewohnern irgendwie angeboren scheint.
Absolut empfehlenswert!
Vielen Dank an den Hannibalverlag für die Überlassung dieses Rezensionsexemplares.
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